Evangelische Kirche Bruchköbel - Reformation elementar
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Röm 3,20-28: Reformation elementar

 

Reformationstag, 31.X.2016                                   Bruchköbel, Pfr. Dr. M. Abraham

 

Tagesspruch: „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1Kor 3,11).

 

Lieder: In dir ist Freude (EG 398); Nun freut euch, lieben Christen g’mein (EG 341,1-4.5-7);
Hinunter ist der Sonnen Schein (EG 467)

 

Psalm 46 (EG 725); Schriftlesung: Matthäus 5,2-10

 

Liebe Gemeinde,

drei große Feste haben sich in Deutschland zum Ende Oktober hin etabliert: Halloween – Weltspartag – Reformationsfest. Wir feiern heute das dritte dieser Feste. Ich sage das nur mal vorweg zur Sicherheit, falls hier jemand sitzt, der zu einem der beiden anderen wollte…

Jedes Fest braucht ja etwas zur Dekoration, etwas Handfestes zum Anfassen und Anschauen. Bei Halloween sind es die Kürbisse und eine Menge anderer mehr oder weniger geschmackvoller Symbole. Beim Weltspartag ist es das Geld. Was haben eigentlich wir bei der Reformation zu bieten? Tja, das ist im Rahmen der Event-Kultur eben das Problem. Bibelverse sind nicht besonders anschaulich. Der Glaube ist per Definition unsichtbar, der steckt zunächst mal im Kopf und Herzen jedes einzelnen. Jesus Christus ist schon seit längerer Zeit nicht mehr sichtbar auf dieser Erde, und offizielle Bilder wurden zu Lebzeiten von ihm nicht angefertigt.

            Was also tun, wenn man die Reformation medial etwas pushen will? Was gibt es anzugucken und anzufassen? Dazu ist inzwischen eine ganze Vermarktungsmaschinerie in Gang gekommen. Die Lutherbonbons, die es heute am Ausgang gibt, sind nur der kleinste Teil davon. Lutherköpfe und Lutherrosen gibt es inzwischen als Keks-Ausstecher, als Mousepad, als Kühlschrank-Magnet, als Cappucino-Schablone und in noch mindestens 95 anderen Formen. Ich will da auch gar nicht groß dran rummeckern. Ohne etwas Anschauliches ist es in unserer Bilderkultur nun einmal schwer, im Gespräch zu bleiben. Trotzdem frage ich mich, ob das Inhaltliche dann nicht manchmal hinten runter fällt. Oder – geht vielleicht doch beides zusammen? Reformation anschaulich und doch nicht verwässert? Etwas Bildliches, das uns hilft, dem immer noch aktuellen Kern der Sache auf die Spur zu kommen? Das wollen wir heute Abend mal versuchen. Wir tun das in Verbindung mit einem der biblischen Abschnitte, der für die Reformation zentral und immer wieder auch heiß umstritten war: Römer 3,20-28.

 

20        Aus den [guten] Taten des Gesetzes wird kein Mensch vor Gott gerecht [= anerkannt],

            sondern durch das Gesetz entsteht [bloß] die Erkenntnis[, dass wir] Sünde[r sind].

21        Nun aber ist unabhängig vom Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbar geworden,

            bezeugt [eben genau] durch das Gesetz und die Propheten.

22        [Es geht dabei um] die Gerechtigkeit Gottes,

            die durch den Glauben an Jesus Christus kommt[, und zwar] zu all denen, die glauben.

            Denn es gibt keinen Unterschied [zwischen den Menschen],

23        alle haben gesündigt und es fehlt ihnen an der Ehre, die sie bei Gott haben sollten.

24        Aber sie werden gerecht gemacht durch seine Gnade, ganz umsonst,

            durch die Erlösung, die in Jesus Christus geschehen ist.

25        Den hat Gott für den Glauben als Sühnopfer hingestellt

            [und] durch sein eigenes Blut [bekräftigt] zum Erweis seiner Gerechtigkeit.

            [Das ist geschehen] zur Vergebung der Sünden, die wir früher begangen haben

26        während der Zeit, als Gott [noch] mit uns Geduld hatte,

            [und zugleich] zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit.

            So ist Gott der Gerechte

            und rechtfertigt den, der aus dem Glauben an Jesus lebt.

27        Wo bleibt nun der Stolz [auf unsere Anständigkeit] vor Gott?

            Er ist ausgeschlossen.

            Durch welches Gesetz? Das Gesetz unserer guten Taten?

            Auf keinen Fall, sondern durch das Gesetz des Glaubens.

28      So sind wir davon überzeugt, dass der Mensch [allein] aus Glauben gerechtfertigt wird,      ganz ohne die guten Taten des Gesetzes.

           

Das war meine Übersetzung des griechischen Originals, angelehnt an Luther, aber bereits zum Hören vereinfacht. Da diese Worte und Sätze immer noch ziemlich dicht formuliert sind, lese ich sie noch einmal nach der Übersetzung der Basis-Bibel.

 

Lesung

 

In diesen Worten, liebe Gemeinde, steckt alles drin, was die Reformation ausmacht. Und nicht nur sie, sondern auch unser eigenes Leben, wie es vor Gott dasteht und wie wir voreinander da stehen. Ich möchte das mal gerne anhand dieser alten Apothekerwaage und dieses Pullovers verdeutlichen. Für die Leihgabe der Waage danke ich Frau Brünjes, die früher in der Charlotten-Apotheke vorne an der Hautstraße gearbeitet hat, für den Pullover danke ich meinem Sohn.

Die Waage ist das Symbol der Justiz. Sie steht für Gerechtigkeit. Auf der Waage werden gute und schlechte Taten gegeneinander abgewogen, ja, sogar das Leben von Menschen. So haben sich viele Religionen das Endgericht vorgestellt, wenn Gott über jeden von uns das Urteil spricht. Und auch in der Bibel, im Alten Testament, gibt es eine Erzählung, in der Gott zu einem König sagt: Dein Leben ist gewogen worden, aber es wurde für zu leicht befunden.

Die Waage der guten und bösen Taten, so sehen wir Menschen auch in diesem irdischen Leben einander oft an. Ich gebe mal ein Beispiel, ganz aus der Luft gegriffen – ich meine jetzt niemanden bestimmtes. Das läuft ungefähr so. „Meine Nachbarin, das ist ja eigentlich eine ganz nette Frau. [Gewichtsstein links.] Im Urlaub stellt sie immer meine Mülltonnen mit raus und gießt auch mal die Blumen. Doch, eigentlich komme ich ganz gut mit ihr klar. Aber neulich, da hat sie mich so komisch angeguckt. Ob sie vielleicht doch was gegen mich hat? [Gewichtsstein rechts.] Hat vielleicht irgendjemand ihr was Negatives über mich erzählt und sie glaubt es auch noch? Na, so eine Gemeinheit! Das könnte ihr so passen, schlechte Nachreden über mich zu verbreiten! Und außerdem hat sie auch schon ein paar Mal so geparkt, dass ich nicht gut in meine Einfahrt reinkam. [Gewichtsstein rechts.] Andererseits: In letzter Zeit geht sie oft zu ihrer kranken Mutter und pflegt sie. Das finde ich eigentlich wieder ganz gut.“ [Gewichtsstein links.] Und so geht es weiter. Je nachdem, was Menschen tun, was wir mit ihnen erleben, packen wir rechts oder links Gewichte drauf und bilden uns ein Urteil.

Manchmal läuft es ja auch in Beziehungen so. Da bringt ein Mann seiner Frau einen Blumenstrauß heim, nachdem er am Morgen etwas Ungeschicktes gesagt hat. Wiedergutmachung. Aber wird es funktionieren? Das kommt auf die Qualität der Beziehung an. Wird der Blumenstrauß als Zeichen eines echten und ehrlichen Gefühls entgegen genommen? Oder führt die Frau im Kopf vielleicht die Strichliste weiter, wiegt sie die guten Taten ab gegen die schlechten, weil sie den Eindruck hat, dass er auch so mit ihr umgeht? Gutes und Schlechtes gegeneinander abwägen, das steckt uns in den Genen. So gehen wir oft miteinander um. Aber ist es das, wovon Paulus hier spricht? Stehen wir vor Gott am Ende auch so da?

Martin Luther hat das eine Zeit lang gemeint. Er hat sich bemüht, gute Taten in seine Waagschale zu werfen. Aber er hatte das Gefühl, es reicht nie. Nun wird in heutigen Luther-Interpretationen oft gesagt: Ach, er hatte einfach ein zu empfindliches Gewissen. Er war geprägt von der Höllenangst seiner Zeit und von der strengen Erziehung seiner Eltern. Heute können wir doch aufrechter vor Gott stehen, er findet uns doch gut so, so wie wir sind. Aber ist das wirklich schon die reformatorische Wende, die Wiederentdeckung des Evangeliums, die wir heute nötiger haben denn je? Können wir einfach weiterhin im Schema der Waage denken, weiter vor Gott unsere guten Taten präsentieren und einfach nur davon ausgehen, die Leute hätten sich früher Gott zu streng vorgestellt?

 

Paulus sagt: „Aus den [guten] Taten des Gesetzes wird kein Mensch vor Gott anerkannt, sondern durch das Gesetz entsteht [bloß] die Erkenntnis[, dass wir] Sünde[r sind].“ Und: „Denn es gibt keinen Unterschied [zwischen den Menschen], alle haben gesündigt und es fehlt ihnen an der Ehre, die sie bei Gott haben sollten.“ Und sogar: „Wo bleibt nun der Stolz [auf unsere Anständigkeit] vor Gott? Er ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Das Gesetz unserer guten Taten? Auf keinen Fall, sondern durch das Gesetz des Glaubens.“ Was für eine Beleidigung für unser gutes Selbstgefühl! Was für eine Provokation gegen unseren guten Ruf! Ja, soll es denn gar nichts wert sein, dass ich mich um gute Werte im Leben bemühe? Ist das denn egal, ob ich anständig sein möchte? Es gibt doch Riesen-Unterschiede zwischen den Menschen, das können Paulus und Luther doch nicht einfach so einebnen! An dieser Stelle gibt es bis heute noch einen Dissens zwischen uns und der katholischen Theologie, das muss ich bei aller ökumenischen Annäherung leider sagen. Das Menschenbild der Reformatoren erscheint vielen Humanisten, vielen Aufklärern und auch vielen katholischen Mitchristen als zu pessimistisch. Kann es denn sein, dass wirklich jeder vor Gott schlecht da steht, auch derjenige, der immer strebend sich bemüht?

Ich fürchte, ja. Und dazu haben ich Ihnen die zweite Leihgabe mitgebracht – den Pullover meines Sohnes. Gestern Abend ist da ein Kakaofleck drauf geraten, ich habe ihn zu Anschauungszwecken noch ein wenig vergrößert. Wenn man in der Logik der Waage denkt, könnte man jetzt sagen: Ach, das ist doch nicht so schlimm. 97 Prozent sind doch noch o.k. Ist ja nur ein kleiner Fleck, das ist doch deutlich weniger Fläche als das Saubere. Kann er den Pullover also morgen wieder zur Schule anziehen? Ich kann Ihnen sagen, was meine Frau dazu antworten würde. Und selbst mein Sohn und ich würden bei so einem Fleck merken – nein, das geht nicht mehr. Der eine Fleck macht alles kaputt. Das ist wie ein Sprung in der Glasscheibe, wie ein Riss in einem Seil, wie ein Kratzer auf einer CD. Der eine Schaden beschädigt alles. Und so stehen wir vor Gott da.

Denn Gott ist perfekt. Gott ist heilig. Er kann nur mit dem zu tun haben, der selber perfekt und heilig ist. „Wir sind alle kleine Sünderlein“ hilft da nicht weiter. „Ja, wir machen halt alle mal Fehler“, oder: „Ich hatte halt eine schwere Kindheit, die anderen sind schuld“ – das sind Sätze, die vor Gericht oder in den Medien oft zu hören sind. Aber vor Gott kommen wir damit nicht weiter. Er kennt uns durch und durch. Natürlich weiß er auch, wo andere an uns schuldig geworden sind. Er sieht, dass keiner von uns bei Null angefangen hat, da gab es immer schon eine Vorgeschichte. Aber er sieht eben auch: Keiner von uns ist ohne Hass. Keiner ist ohne Egoismus. Keiner von uns ist ohne Stolz, gerade die mit den besonders vielen guten Taten nicht.

Die Geschichte des Bösen und der Sünde, die Geschichte der Trennung von Gott zieht sich durch die gesamte Menschheit, und wir mit unserem eigenen sind Leben ein Teil davon. Jeder von uns denkt doch, er sei im Grunde eigentlich ganz anständig. Auch wir Pfarrer, auch wir Gläubigen. Jeder denkt zunächst mal, er hätte es doch im Prinzip selber im Griff, er müsse sich von Gott nichts schenken lassen. Jeder von uns muss erst einmal darauf gestoßen werden, dass er die Gnade braucht. Dass unsere weiße Weste Flecken hat, die vor Gott nicht verborgen werden können. Dass wir es aus eigener Kraft nicht schaffen, unsere kaputten Beziehungen zu kitten, Frieden zu schaffen und mit unserer Welt gut und liebevoll umzugehen. Wir hoffen darauf, dass die Menschheit sich von selbst zum Guten entwickelt, und werden doch immer wieder enttäuscht. Seit tausenden von Jahren versuchen wir Menschen, das Heil selbst auf die Erde zu bringen, und doch schafft jede Erfindung, jede neue Idee, jeder politische und wirtschaftliche und kulturelle und religiöse Zusammenschluss immer wieder neu Ausgrenzung, Ungerechtigkeit, Machtkämpfe, Zerstörung von Lebensraum. Wir schaffen es einfach nicht.

Und deshalb gibt es nur einen Weg. Gott muss es für uns schaffen. Das ist das Evangelium. Das ist die gute Nachricht in Jesus Christus, die Paulus begriffen und die Luther wieder entdeckt hat. Er sprach zu seinem lieben Sohn: „Die Zeit ist hier zu erbarmen.“ Wir singen vom angefangenen Reformationslied die Strophen 5 bis 7.

 

Der springende Punkt der Reformation, liebe Gemeinde, ist nicht, dass da einer erfolgreich gegen Autoritäten protestiert hat. Auch nicht, dass er den Individualismus erfunden hätte oder die Traditionskritik. Freie Denker gab es auch schon vor Luther und gibt es bis heute, das allein ist noch nicht Reformation. Reformation im Sinn des Evangeliums heißt: Das Verhältnis von Gott und Mensch wird ganz neu bestimmt.

Denn eigentlich ist es doch so: In jedem von uns steckt ein Ablasshändler. Auch in uns Evangelischen. Jeder von uns meint, mit Gott handeln zu können. Schau mal, Gott, hier und da bin ich doch eigentlich ganz gut. Hier und da gebe ich mir Mühe. Da kannst Du beim Rest doch ein Auge zudrücken. Kürzlich las ich ein Interview mit dem Schauspieler Jan Fedder, der in der Serie „Der Hafenpastor“ einen Pfarrer spielt. Ich denke, Fedder spricht da für ganz viele, wenn er gefragt wird: „Haben Sie schon mal eine Beichte abgelegt?“ Antwort: „Ich hab mir noch nie was zu Schulden kommen lassen, also muss ich auch nix beichten. Aber viele Leute haben schon bei mir gebeichtet. Ich kann einfach ein guter Zuhörer sein“. Nächste Frage: „Bekannt sind Sie für deutliche Worte. Waren Sie eigentlich immer gnadenlos ehrlich?“ Antwort: „Ja, fast immer jedenfalls. Wenn es um meine Krankheiten ging, habe ich manchmal ein bisschen geschummelt. Muss man ja aber auch nicht allen auf die Nase binden. Aber sonst immer absolut ehrlich.“ Tja – ich habe nichts zu beichten, habe mir noch nie was zu Schulden kommen lassen. Jan Fedder spricht für uns alle. 

Wir können noch so oft was in die gute Waagschale werfen – in der schlechten wird immer was drin sein. Vor allem die Ursünde, das Misstrauen gegen Gott und die Überzeugung, man selber sei schon gut genug. Wir können noch so oft an den Flecken auf unserer weißen Weste rumschrubben – wir allein kriegen sie nicht weg. Wir brauchen den Neuanfang für unser Leben, den absoluten Reset. Und wie geht der, wenn ich doch selber gar nichts dazu tun kann? Das möchte ich Ihnen nun zum Schluss mit einem letzen Bild zeigen.

 

Stellen Sie sich einen Stuhl oder Tisch vor. Wie viele Beine sind dafür nötig, dass er fest steht? Mindestens drei, würde ich sagen. Vier sind noch besser. Und vier Beine sind es auch, auf denen die Reformation steht, die Wiederentdeckung des Evangeliums. Alle vier lassen sich in unserer Bibelstelle aus Römer 3 finden.

Nummer eins: allein der Glaube.

22a „Die Gerechtigkeit Gottes kommt durch den Glauben an Jesus Christus[,

            und zwar] zu all denen, die glauben.

26b      So ist Gott der Gerechte

            und rechtfertigt den, der aus dem Glauben an Jesus lebt.“

Jetzt kann ein Stuhl auf einem Bein allerdings noch nicht gut stehen. Wenn jemand sagt, er sei gläubig, heißt das noch nicht viel. An was denn? An wen? Davon hängt alles ab.

 

Deswegen Nummer zwei: allein Christus. Vers 24:

            „…durch die Erlösung, die in Jesus Christus geschehen ist.

25a      Den hat Gott für den Glauben als Sühnopfer hingestellt

            [und] durch sein eigenes Blut [bekräftigt] zum Erweis seiner Gerechtigkeit.“

Von Gott reden, das fällt uns ja noch halbwegs leicht. Aber das mit Jesus, das wirkt oft irgendwie peinlich. Kann man das wirklich so auf eine einzige Person konzentrieren? Und dann noch Kreuz und Sühne und Blut, all diese schwierigen Dinge. Muss das unbedingt sein? Können wir das nicht bei Seite lassen und allgemeiner von Gott und Glaube und Religion reden?

Paulus, Luther und viele andere haben erkannt: Ohne Jesus Christus geht es nicht. Denn hier zeigt Gott sein Gesicht wie sonst nirgends. Gott hat diesen Weg gewählt, um zu uns zu kommen. Wer wären wir, uns einen anderen zu suchen?

 

Allein der Glaube. Allein Christus. Aber auch mit diesen zwei Standbeinen hinge die Sache noch in der Luft. Denn wie begegnen wir denn dieser Erkenntnis, wie kommt sie uns nahe?

Drittes Standbein: allein die Schrift, man kann auch sagen: allein das Wort. Nur indem Gott uns mit seinem Wort erreicht, können wir erkennen, wer wir wirklich sind und wer er für uns ist. Nur so kommt unsere Selbsttäuschung an ihr Ende. Und auch das bringt Paulus in wenigen Worten auf den Punkt:

20b      „Durch das Gesetz entsteht die Erkenntnis[, dass wir] Sünde[r sind].

21a      Nun aber ist unabhängig vom Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbar geworden,

            bezeugt [eben genau] durch das Gesetz und die Propheten.“

Mit dem Gesetz ist einerseits das gemeint, was Gott von uns will – andererseits ist es aber auch ein Ausdruck für die Heiligen Schriften. Die Bibel selber macht also klar, dass es durch Korrektheit, durch Buchstabentreue, durch ein religiöses Schema allein nicht geht. Die Bibel selber weist über sich hinaus auf die Person, die allein das Heil bewirkt. Jesus Christus. Allein die Schrift, das muss sich mit den anderen beiden Standbeinen verbinden.

 

Und wenn wir alle drei zusammennehmen, dann können wir als viertes darüber schreiben: allein aus Gnade. Vers 24:

24a      „Sie werden gerecht gemacht durch seine Gnade, ganz umsonst.“

Damit ist alles gesagt und zusammengefasst. Und klar dürfte jetzt auch sein: Die Gnade ist kein Ruhekissen für ein schläfriges Gewissen. Sondern jetzt geht es erst richtig los. Lasst uns aus dieser Gnade leben, jeden Tag neu, in unserer Kirche und in unserer Welt – dann haben wir mehr als genug zu tun.

Amen.

 

 








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