Evangelische Kirche Bruchköbel - Weitergeben!
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2Kor 9,6-9.15: Weitergeben!

Erntedank, 02. X.2016                                                                                      Bruchköbel

 

Wochenspruch: „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ (Ps 145,15).

 

Lieder: Danke für diesen guten Morgen (EG 334); Ich singe dir mit Herz und Mund (324,1-7); Er hält die ganze Welt (619); Wir pflügen und wir streuen (508)

 

Psalm 104 (743); Schriftlesung: Mt 6,25-34

 

Liebe Gemeinde, liebe Kindergartenkinder,

ganz herzlich möchte ich Euch danken für den schönen Erntedanktisch, der hier vorne zusammengekommen ist. Ihr und Eure Eltern habt Sachen dafür zusammengelegt. Am Freitag habt ihr sie in die Kirche gebracht und mit den Erzieherinnen hier aufgebaut. Ohne euch wäre das in unserer Jakobuskirche ganz schön mau mit dem Erntedanktisch. An dieser Stelle mal ein kräftiger Applaus für die Erzieherinnen, die das alles organisiert haben.

Der Erntedank-Altar zeigt uns, wovon wir leben. Was brauchen die Pflanzen zum Beispiel, damit sie wachsen können? (Kinder fragen.)

Im Fernsehen können wir sehen, dass es an vielen Stellen der Welt nicht so gut aussieht. In manchen Ländern gibt es nicht genug Wasser. In anderen kommen dolle Stürme oder Überschwemmungen und vernichten viel von der Ernte. Oft haben die Menschen dann nicht viel zu essen. Und leider gibt es in manchen Ländern auch noch Krieg. Da wird vieles von dem kaputt gemacht, was die Menschen eigentlich zum Leben brauchen.

Wir sehen: Es ist nicht selbstverständlich, wenn alles gut klappt und die Regale bei Aldi und Tegut, bei Lidl und Rewe voll sind. Sogar wer nicht ganz so reich ist in Deutschland, kann doch genug zu essen haben. Deshalb sagen wir heute an Erntedank: Danke, Gott! Danke für die Ernte. Danke, dass vieles so gut klappt in unserem Land und dass wir uns keine großen Sorgen über Essen und Trinken machen müssen. Danke, dass Papa und Mama das einkaufen können, was wir brauchen. Sogar wenn das Wetter mal nicht so günstig war und die Kartoffeln nicht so groß wie sonst, müssen wir nicht gleich eine Hungersnot fürchten. Danke, lieber Gott!

Aber was ist mit den anderen Menschen? Was ist mit denen, die zu wenig haben zum Leben? Viele Menschen in Deutschland sagen dann: Ach, die sind selber schuld. Die sollen sich mal ein bisschen mehr anstrengen. Oder: Die haben einfach keine guten Regierungen. Oder: Da kann man halt nichts machen.

Was sagt denn die Bibel, das Buch von Gott, dazu? Ein Mann namens Paulus hat in einem Brief dazu folgendes geschrieben, 2. Korinther 9, ab Vers 6:

 

6          Wer spärlich aussät, der wird auch nur spärlich ernten.

            Aber wer im Segen aussät, der wird auch im Segen ernten.

7          Jeder [soll so spenden], wie er es sich im Herzen vorgenommen hat,

            nicht aus Unwillen oder Zwang heraus;

            denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

8          Gott kann es machen, dass ihr einen Überfluss an Gnade habt,

            so dass ihr jederzeit in allen Dingen alles habt, was ihr braucht,

            damit ihr aus dem Überfluss heraus Gutes tun könnt.

9          So steht es geschrieben:

            „[Gott] hat mit vollen Händen ausgeteilt und die Bedürftigen beschenkt,

            seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“

15        Gott sei Dank für sein Geschenk, das so unaussprechlich groß ist!

 

Als ich noch in der Schule war, haben wir mal ein Spiel gespielt, das ging so: Alle Kinder saßen im Kreis, und zwei gingen in der Mitte herum. Einer sagte: „Wir sind dumm. Wir gehen im Kreis herum. Und alles, was wir sehen, das nehmen wir mit.“ Dann nahm er etwas von einem der Kinder und packte es seinem Begleiter auf. Eine Jacke, Schuhe, eine Uhr, ein Buch oder was auch immer. So ging es weiter, Runde um Runde. Der eine sagte immer: „Alles, was wir sehen, das nehmen wir mit.“ Und der andere bekam immer mehr in die Hände. Und mehr. Und noch mehr. Das Spiel ging so lange, bis dieser zweite endlich mal auf die Idee kam, eine Frage zu stellen. Nämlich die Frage: „Warum trage ich das eigentlich alles alleine?“ Bis es so weit war, konnte es sehr lange dauern. Ich weiß noch, dass ich immer weiter geschleppt habe, als ich dran war, und einfach nicht auf die Idee kam, mal nachzufragen. So war ich gepolt, und viele von uns vielleicht auch: Was wir in die Hand kriegen, das halten wir fest. Das ist erst mal unseres. Und so sammeln wir und sammeln und haben immer mehr. Aber es kann auch eine Last werden.

Es gibt viele Spiele, in der Kita und auch anderswo, die funktionieren nur mit Weitergeben. Stille Post zum Beispiel. Oder auch Fangen. Wenn einer die Kette unterbricht, wenn einer nicht weitermacht, dann funktioniert das Spiel nicht. Sogar beim Fußball oder Handball ist das so. Wenn einer den Ball immer nur für sich haben will, wenn er ganz allein vom eigenen Tor bis ins andere rennen will, dann wird er irgendwann gestoppt werden. Für die ganze Mannschaft läuft es nur dann gut, wenn die Spieler Pässe spielen, wenn sie sich den Ball immer wieder hin und her geben. So ist das im Leben: Ohne Weitergeben funktioniert es nicht.

Ihr Kinder, ihr wisst oder spürt das manchmal. Ihr wisst, ohne dass Papa oder Mama mir etwas zu essen machen, mir Kleider kaufen oder Spielzeug, ohne dass funktioniert es nicht. Ich kann mir das nicht alles selber machen. Ich kann mir das nicht alles selber kaufen. Einige von Euch kriegen ja vielleicht schon ein paar Cent Taschengeld, ich weiß es nicht – aber das reicht jedenfalls nie, um sich das zu kaufen, was nötig ist. Was ich brauche, bekomme ich von anderen. Sollte ich dann nicht auch bereit sein, etwas weiterzugeben? Vielleicht von meinem Kita-Brot auch mal ein anderes Kind probieren zu lassen? Vielleicht ein Spielzeug auch mal auszuleihen? Vielleicht im Sandkasten kurz Platz machen, damit auch noch ein anderes Kind dazukommen kann?

Die Erzieherinnen versuchen das mit Euch zu lernen. Nur wenn einer dem anderen auch mal was abgibt, läuft es gut. Aber immer wieder machen wir es falsch. Ihr Kinder und auch wir großen Leute. Immer wieder wollen wir alles selber in der Hand behalten, so wie ich es damals in der Schule bei dem Wir-sind-dumm-Spiel gemacht habe.

Wie hat der Paulus noch gesagt im 2. Korintherbrief?

6          Wer spärlich aussät, der wird auch nur spärlich ernten.

            Aber wer im Segen aussät, der wird auch im Segen ernten.

7          Jeder [soll so spenden], wie er es sich im Herzen vorgenommen hat,

            nicht aus Unwillen oder Zwang heraus;

            denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.

8          Gott kann es machen, dass ihr einen Überfluss an Gnade habt,

            so dass ihr jederzeit in allen Dingen alles habt, was ihr braucht,

            damit ihr aus dem Überfluss heraus Gutes tun könnt.

9          So steht es geschrieben:

            „[Gott] hat mit vollen Händen ausgeteilt und die Bedürftigen beschenkt,

            seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“

15        Gott sei Dank für sein Geschenk, das so unaussprechlich groß ist!

 

Also: Ich bin beschenkt. Deswegen kann ich anderen auch etwas weiter schenken. Ich kann zum Beispiel im Supermarkt nicht die allerbilligste Milch kaufen für derzeit 46 Cent den Liter, sondern auch mal bewusst die etwas teurere Milch. Damit die Bauern etwas mehr für ihre Arbeit bekommen und ihren Bauernhof nicht aufgeben müssen. Ich kann vielleicht auch sonst mal auf Fairtrade-Produkte achten, die gibt es inzwischen sogar schon beim Aldi. Und auch nicht bloß als Schokolade und Kaffee, sondern zum Beispiel auch als Handy, das sogenannte Fairphone. Fragen Sie die Konfis, die kennen sich aus. Oder: Ich könnte auch mal etwas abgeben von meinem Geld. Vielleicht etwas mehr als nur ein paar Cent Wechselgeld in die Sammeldose an der Kasse. Zu Zeiten der Bibel und auch noch später haben viele Menschen zehn Prozent ihres Einkommens gespendet. Manche tun es heute noch. Zehn Prozent, holla, das ist viel! Aber wer es tut, der macht immer wieder die Erfahrung: Gott lässt ihn nicht zu kurz kommen. Gott segnet. Das Geld wird etwas weniger – aber die Freude wird viel größer.

 

Warum etwas abgeben an andere? Warum sich ab und zu mal Zeit nehmen für alte Menschen, für Kranke, für Flüchtlinge? Weil wir so gnädig sind? Nein, sondern weil wir Gnade empfangen. Jeden Tag. Gott gibt uns ganz viel, durch Jesus Christus gibt er sich uns sogar selbst. Sein ganzes Wesen ist es, sich auszuteilen. Und da sollte ich alles für mich behalten wollen?

Einen fröhlichen Geber, eine fröhliche Geberin hat Gott lieb.

Amen.

 








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